Demokratie als lebendiger Organismus: Wie die Stadt Deggendorf ihr Netzwerk der Bürgerbeteiligung stärkt

In Deggendorf wird Demokratie nicht als statische Institution verstanden, sondern als dynamischer Prozess – ein System, das sich ständig weiterentwickelt und die direkte Mitgestaltung der Bürger in den Mittelpunkt stellt. Besonders seit der Einführung des „Dem-Netz“ hat die Stadt ein Modell entwickelt, das traditionelle Gremien mit digitalen Tools verbindet und so eine breitere, inklusivere Teilhabe ermöglicht. Doch was genau steckt hinter diesem Konzept, und warum ist es so besonders? Die Antworten finden sich in der Praxis, in Zahlen und in den Erfahrungen der Menschen, die täglich daran arbeiten, die Demokratie vor Ort lebendiger zu machen.

Von der Idee zum Modell: Wie Deggendorf Bürgerbeteiligung neu denkt

Das „Dem-Netz“ ist kein isoliertes Projekt, sondern ein Teil eines größeren Ansatzes, der auf partizipative Demokratie setzt. Die Stadt hat hier eine Brücke gebaut zwischen klassischen Bürgerräten, wie dem seit 2017 bestehenden „Bürgerbeirat für Klimaschutz und Nachhaltigkeit“, und modernen digitalen Plattformen. Das Netzwerk ermöglicht es, Ideen direkt in politische Entscheidungen einzubringen – sei es bei der Planung neuer Wohngebiete, der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte oder der Gestaltung öffentlicher Räume. Besonders beeindruckend ist, dass das System nicht nur die etablierten Akteure einbindet, sondern auch junge Menschen, Migrant:innen und Menschen mit geringem Bildungsniveau, die sonst oft überrepräsentiert sind. Studien zeigen, dass solche partizipativen Modelle die Legitimität von Entscheidungen deutlich erhöhen und gleichzeitig die Kluft zwischen Verwaltung und Bürgern verkleinern.

Ein konkreter Erfolg ist der „Dem-Netz“-Workshop „Deggendorf gestalten“, bei dem Bürger:innen seit 2021 gemeinsam mit Fachkräften aus Stadtverwaltung und lokalen Initiativen Ideen für die Zukunft der Stadt entwickeln. Im Jahr 2022 wurden dabei über 30 konkrete Projekte identifiziert, darunter die Ausweitung von Radwegen, die Förderung von Gemeinschaftsgärten und die Schaffung neuer Spielplätze. Besonders spannend ist, dass viele dieser Vorschläge direkt in die Stadtentwicklungspläne integriert wurden – ein Beweis dafür, dass partizipative Demokratie nicht nur symbolisch, sondern auch praktisch wirkt.

Daten und Fakten: Wie erfolgreich ist das Modell bisher?

  • Seit der Einführung des „Dem-Netz“ im Jahr 2019 haben über 1.200 Bürger:innen direkt in die Planung einbezogen werden können – ein Anstieg von 40 % gegenüber dem Vorjahr.
  • Im Jahr 2022 wurden durch partizipative Prozesse 18 neue Bürgerprojekte realisiert, darunter die Einrichtung von 12 neuen Bürgerhaushalten für lokale Initiativen.
  • Die Teilnahmequote bei Bürgerforen liegt bei durchschnittlich 65 %, wobei besonders junge Erwachsene (18–30 Jahre) mit einer Teilnahmequote von 72 % überdurchschnittlich vertreten sind.
  • Die Stadt Deggendorf gehört zu den Vorreiterstädten in Bayern, wo solche partizipativen Ansätze seit 2017 systematisch gefördert werden – im Vergleich zu anderen Städten mit ähnlichen Programmen liegt Deggendorf im oberen Drittel der Effektivität.
  • Die Kosten für die Umsetzung der Bürgerprojekte betrugen 2022 insgesamt 1,8 Millionen Euro, wobei 60 % der Mittel direkt aus Bürgerhaushalten oder Spenden stammten.

Doch der Erfolg des „Dem-Netz“ zeigt sich nicht nur in Zahlen, sondern auch in der Qualität der Ergebnisse. Ein besonders gelungenes Beispiel ist das Projekt „Deggendorf – Stadt der kurzen Wege“, bei dem Bürger:innen gemeinsam mit der Stadtverwaltung ein neues Konzept für nachhaltige Mobilität entwickelt haben. Das Ergebnis: Seit der Einführung des Plans im Jahr 2021 sind die Fahrradnutzung um 25 % gestiegen und die Zahl der Autofahrer:innen in zentralen Stadtteilen um 10 % gesunken. Solche Erfolge unterstreichen, dass partizipative Demokratie nicht nur die Teilhabe erhöht, sondern auch konkrete Lebensqualität verbessert.

Herausforderungen und die Frage nach der Zukunft

Trotz der Erfolge gibt es auch Herausforderungen. Ein zentraler Punkt ist die Balance zwischen digitaler und analoger Beteiligung. Während das „Dem-Netz“ viele Menschen erreicht, fehlt es in einigen Stadtteilen – besonders in sozial benachteiligten Vierteln – an der notwendigen digitalen Infrastruktur. Hier setzt die Stadt auf gezielte Kampagnen, um die Nutzung von Tablets und Smartphones zu fördern und Workshops anzubieten, in denen Bürger:innen lernen, wie man an partizipativen Prozessen teilnimmt. Ein weiteres Problem ist die Zeitknappheit: Viele Bürger:innen haben keine Möglichkeit, sich regelmäßig an Gremien zu beteiligen. Hier könnte eine Kombination aus festen Terminen und flexiblen Online-Formaten helfen.

Die Zukunft des „Dem-Netz“ wird auch davon abhängen, wie es gelingt, die gewonnenen Erfahrungen zu verankern. Ein erster Schritt ist die Gründung eines „Dem-Netz“-Beirats, der aus Vertreter:innen der Bürgerbeteiligung, der Verwaltung und der Zivilgesellschaft besteht. Dieser soll nicht nur die laufende Arbeit koordinieren, sondern auch neue Ideen entwickeln, wie die Demokratie noch transparenter und inklusiver werden kann. Ein spannendes Projekt ist dabei die geplante „Demokratie-Lernfabrik“, in der Bürger:innen in Workshops lernen, wie man politische Prozesse aktiv gestaltet. Hier könnte Deggendorf ein Vorbild für andere Städte werden – nicht nur in Bayern, sondern bundesweit.

Die Stadt Deggendorf zeigt, dass Demokratie kein statisches Gebäude ist, sondern ein lebendiges Netzwerk aus Menschen, Ideen und Tools. Das „Dem-Netz“ ist ein Beispiel dafür, wie partizipative Demokratie funktionieren kann – und warum es sich lohnt, solche Ansätze zu unterstützen. seite besuchen und selbst mitzugestalten.

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